Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Die Ophthalmologie zählt zu den innovativsten Disziplinen der Medizin. Nahezu wöchentlich erscheinen neue Entwicklungen in Diagnostik und Therapie, die das Fachgebiet dynamisch voranbringen – zugleich jedoch die Herausforderung mit sich bringen, den Überblick zu bewahren. Nicht jede Innovation hält einer kritischen Betrachtung stand, und nicht jede Neuerung bedeutet automatisch einen echten Mehrwert für unsere Patientinnen und Patienten.
Vor diesem Hintergrund widmete sich unser Fortbildungsabend zum Ende der Sommerpause aktuellen Trends und kontrovers diskutierten Entwicklungen.
Dr. med. Engelskirchen beleuchtete die derzeitige Diskussion im refraktiven Bereich. Nach dem anfänglichen weltweiten Hype um die SMILE-Methode steht das Verfahren inzwischen differenzierter zur Debatte. Im Fokus standen Indikationsstellung, Langzeitergebnisse und die Frage, welchen Stellenwert das Verfahren künftig einnehmen wird.
Prof. Dr. med. Martin Wenzel stellte moderne refraktive Konzepte in der Linsenchirurgie vor. Dabei ging er insbesondere auf die Weiterentwicklung der Monovision ein, die durch EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus) eine neue Aktualität erfahren hat. Anschaulich wurden Chancen, Grenzen und patientenindividuelle Entscheidungsprozesse dargestellt.
Aktuelle Studiendaten präsentierte Prof. Dr. med. Schultheiß, FEBO. Er berichtete über den Stand der laufenden Untersuchung zur Lysetherapie bei arteriellen retinalen Gefäßverschlüssen und ordnete die bisherigen Ergebnisse kritisch ein. Die zentrale Frage: Zeichnet sich hier tatsächlich ein Paradigmenwechsel ab oder bleibt es bei einem vielversprechenden Ansatz?
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Dr. med. Stephan Leers, neuer Chefarzt der Augenabteilung am Brüderkrankenhaus. Er erläuterte den zunehmend sichtbaren Wandel in der Glaukomchirurgie – weg von der klassischen Trabekulektomie hin zur Kanaloplastik. Dieser „stille“ Paradigmenwechsel wurde anhand praktischer Erfahrungen und aktueller Datenlage differenziert dargestellt.
Der Abend bot nicht nur fachlich fundierte Vorträge, sondern auch eine lebhafte Diskussion unter Kolleginnen und Kollegen. In angenehmer Atmosphäre klang die Veranstaltung im persönlichen Austausch aus.
Für Teilnehmende, die nicht vor Ort sein konnten, wurde die Fortbildung wie gewohnt im Hybridformat übertragen.